50 camera project - bullet time light painting

Wir haben 50 Kameras... Und nun?

 

„Gib mir 50 baugleiche Kameras und ich mache dir ein megastarkes Lightpainting Bullet Time Video.“

Vielleicht hat sich der eine oder andere schon einmal dabei erwischt, diesen Satz zu denken, wenn er oder sie sich in den letzten Wochen unser 50 camera project oder auch die großartige Arbeit von Eric Paré und Patrick Rochon aus dem Jahre 2012 angesehen hatte. Genau das war auch unser Ansporn, ein derartiges Projekt anzugehen. Einfach einmal etwas ausprobieren, das es in dieser Form noch nicht gegeben hatte. Oder zumindest nicht genauso. Dabei müssen wir aber tatsächlich zugeben, dass wir es uns einfach vorgestellt hatten, oder besser gesagt: wir konnten es uns nicht vorstellen, dass der einfachste Teil des Projekts sein würde, die Kameras zu bekommen.

Als wir Anfang des Jahres in Prag für Olympus beim Product Launch der neuen OM-D E-M5 Mark II gearbeitet haben, kam es eines Abends bei einem Bier zum Gespräch mit Michael Guthmann. Wir schilderten ihm unsere Ideen und er war sofort Feuer und Flamme für das Vorhaben. Wir könnten uns 50 OM-D E-M10 Kameras ausleihen und ausprobieren, was möglich war.

Gesagt, getan. Nicht einmal zwei Monate später bekamen wir für den Anfang 20 Kameras, um erste Tests zu machen. Dabei haben wir allerdings zum ersten Mal die Problematik der Unterkonstruktion und der Ausrichtung der Kameras bemerkt, was nicht nur daran lag, dass wir den allerersten Test in einem Park gemacht hatten, wo der Boden nur semi-ideal für eine gerade Konstruktion war. Da das Projekt zu Beginn nur dem Stillen der Neugierde und reiner Spaß werden sollte, haben wir versucht, die Kosten der Konstruktion so niedrig wie möglich zu halten. Also haben wir für die ersten 20 Kameras ein Vierkantrohr aus dem Baumarkt besorgt und diese auf der Geraden mit 1/4 Zoll Schrauben angebracht. (Edit zu den Schrauben: Über solche Besonderheiten lohnt es sich nicht, einen Mitarbeiter im Baumarkt zu befragen, außer man möchte sich am erstaunten Blick desjenigen erfreuen, dass es etwas Derartiges in unserem Sonnensystem tatsächlich zu erstehen gibt.) Als Unterkonstruktion dienten drei (unterschiedliche!) Stative, was das Ausrichten wieder etwas schwieriger gestaltet hatte. Später besorgten wir uns allerdings fünf baugleiche Fahrradstative, die zusätzlich sehr viel stabiler sind als Kamerastative, auch wenn sie in jeder Hinsicht mehr Platz benötigen.

 

 

 

Der zweite Test erfolgte bereits in der finalen Location, allerdings immer noch mit nur 20 Kameras, aber auch besserer Vorbereitung. Die Kameras waren weiterhin nur auf einer Geraden angebracht, doch wesentlich stabiler durch die großen Stative. Jede einzelne Kamera mussten wir allerdings manuell auslösen, da uns noch die entsprechenden Auslöser fehlten. Doch auch als wir später welche hatten, funktionierten sie nicht, wie erhofft. Michael besorgte uns für die 50 Kameras bereits vorgebaute Auslöser, doch diese waren nur für kurze Aufnahmen oder Aufnahmen im BULB-Modus geeignet. Wir haben allerdings alle Bilder im Live Composite Modus der OM-D E-M10 aufgenommen. Dieser ermöglichte es uns, alle Kameras händisch nach einander auszulösen, ohne dass  die Bilder unterschiedlich belichtet waren. Der Zauber des Live Composite besteht darin, dass er mehrere Belichtungen hintereinander macht und schließlich übereinanderlegt. Dabei orientiert sich die Software der Kamera an der ersten Grundaufnahme und fügt von den folgenden Belichtungen nur die helleren Teile zum Gesamtbild hinzu. Das heißt, solange der Raum dunkel blieb, nahmen die Kameras alle nichts auf (bzw. das nicht vorhandene Licht) und waren alle auf demselben Level, sobald die erste Lampe angeschaltet wurde. Eines sei hier gesagt: es ist ein interessantes Bild, wenn zwei oder teilweise drei Personen um eine Reihe Kameras herumlaufen und nacheinander auf den Auslöser drücken. Für jede Aufnahme dreimal.

Die 50 Kameras hatten wir in der finalen Nacht auf einem zehn Meter langen Aluminiumprofil befestigt. Dieses hatten wir anfertigen und biegen lassen, sodass wir zum Schluss einen Halbkreis mit einem Radius von vier Metern hatten. Das Profil besteht aus fünf Teilen, die ineinander gesteckt werden. So ist die Konstruktion mobil genug, um sie überall aufbauen zu können.

Es wäre ideal gewesen, hätten wir einen Sponsor gewinnen können, der uns 50 Stativköpfe hätte ausleihen können, doch leider hatten unsere Nachfragen eher frustrierende Antwortmails zur Folge. Niemand hatte so viele baugleiche Köpfe gleichzeitig auf Lager. Also mussten wir uns selber helfen. Nach zig Besuchen im Baumarkt hatten wir nach einer Weile die fast perfekte Lösung für den Stativkopfersatz. Self-made natürlich. Mit unterschiedlichen Platten und Winkeln haben wir Köpfe gebaut, die durch Schrauben und Muttern nach vorn und hinten gekippt werden können, um den Bildausschnitt auszuwählen. Als Grundlage dienen große Winkel, die am gebogenen Aluprofil angebracht sind. Diese können wiederum nach links und rechts gekippt werden. So ist es gegeben, den Mittelpunkt auf allen 50 Kameras gleich einzustellen und diese gerade auszurichten. Jedenfalls so gerade, wie es nur ging, denn ein Lost Place ist leider nie so eben, wie man ihn in solchen und ähnlichen Situationen gerne hätte. Wenn Decke und Säulen nicht im 90° Winkel zu einander stehen, muss man sich wohl oder übel mit mindestens einer Schräge in den Bildern abfinden. Die Bildsequenzen haben wir später mit Adobe Premiere Elements 12 zusammengestellt und bearbeitet. Da wir bisher kaum Erfahrung mit bewegten Bildern hatten, ist nicht jede Sequenz so geworden, wie wir sie haben wollten. Wackler waren dabei leider kaum zu vermeiden, was zum Teil an der Ausrichtung der Kameras gelegen hat, zum Teil aber wiederum am Programm und unseren fehlenden Erfahrungen damit.

Während der Aufnahmen selbst haben wir allerdings mindestens genauso viele Schwierigkeiten gehabt, denn normalerweise müssen wir beim Lichtmalen auf nur eine Kamera achten – auf nur eine Perspektive. Hier hatten wir allerdings 50 verschiedene Perspektiven, sodass man aufpassen musste die richtigen Striche nicht mit dem eigenen Körper zu verdecken oder aber ungewollte Striche nicht von fünf Kameras aufnehmen zu lassen, aber die restlichen 45 davor bewahren. So dauerte zum Beispiel das Ausleuchten einer Person sehr viel länger als normal, denn hier musste man mehr Fläche als sonst ausleuchten – nicht nur die Front, sondern auch die Seiten.

Den Schnitt, die Musik und den allerletzten Schliff haben wir dann aber letztlich an unseren Freund Jan Hartwig von Bird Like abgegeben, denn er ist auf dem Gebiet sehr viel versierter und hat am Ende einen wunderbaren Job gemacht.

Alles in allem haben wir aber dennoch einen unglaublichen Spaß gehabt, das ganze Projekt von vorne bis hinten zu planen und schließlich durchzuführen. Denn das war zu allererst der Hauptgedanke: der Spaß bei der Sache. Auch wenn letztlich nicht alles zu 100 Prozent so funktioniert hat, wie wir es wollten (das tut es nämlich nie), sind wir mit dem Ergebnis mehr als zufrieden und hoffen, dass wir in Zukunft noch mehr in diese Richtung arbeiten und unsere Techniken weiter verbessern können.

 

Das komplette Video könnt ihr euch nun hierunter anschauen. Wir hoffen, ihr genießt es mindestens genauso sehr, wie wir Spaß (und ein bisschen Ärger natürlich) bei der Erstellung hatten! 

Der Beitrag zu unserem Bullet Time Lightpainting Projekt bei Galileo/ ProSieben

Ein weiteres Mal haben wir unsere Konstruktion für den Fernsehsender ProSieben aufgebaut, denn die Kollegen von Galileo wollten sich mal genauer anschauen, wie unser Prjoekt genau abläuft und welche Mittel dazu notwendig sind, um ein entsprechendes Video zu kreieren. Nach insgesamt dreizehn Stunden Dreh ist ein fast sechsminütiger Beitrag herausgekommen, der zeigt, welche Arbeit hinter so einem Bullet Time Video steckt.

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